Espedal, Tomas: Gehen oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen

Roman. (Ü. aus dem Norwegischen Paul Berf). Ein schöner Titel, ein schönes Buch, auch äußerlich. Espedal ist ein großer Beschreiber, nicht nur von Landschaften und Orten, auch von Menschen (und er hat eine wunderschöne Sprache). Er beschreibt verschiedene Reisen des Gehens. (Wobei ich das, was er betreibt, wandern nennen würde.) Wochenlang gehen, bergauf bergab, bis er nicht mehr kann und dann geht er immer noch weiter. Dieses Buch ist eine Mischung aus Autobiografie, (Reise- und Gehen-)Beschreibung, Erzählung, auch ein wenig ein Buch über das Schreiben. Manchmal zitiert er andere Geher, Künstler oder Schriftsteller. Er hat in mir den Wunsch geweckt, wieder einmal lange zu gehen, zwar mit einem Ziel, aber ohne zu wissen, wo genau man ankommt, wie es da aussieht, wen man trifft. Er schildert die alte Sehnsucht ein anderer zu werden, aus seinem gewohnten Leben zu verschwinden (und auch die Angst, man könnte wieder auf denselben treffen). Er schläft gerne draußen, ohne Zelt, allein, Angst hat er keine. (Hätte ich.) Viel Alkohol wird getrunken in dem Buch und viel nachgedacht. Dieses Buch werde ich häufiger lesen. (Eigentlich heißt das, dass ich es mir kaufen muss.)
Matthes & Seitz Berlin, gebunden, gelesen 05/14

Olafsdottir, Audur Ava: Ein Schmetterling im November

Roman Island. (Ü.: Sabine Leskopf) Eine junge Isländerin überfährt eine Gans auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, von dem sie sich trennen will. Er kommt ihr zuvor, weil er es nicht erträgt, dass sie ihren Mann liebt und bei ihm bleiben will. Während sie die Gans als vorgezogenes Weihnachtsessen (das Ganze spielt im November) für ihren Mann zubereitet, eröffnet der ihr, dass er sich von ihr trennen will, weil seine Freundin ein Kind erwartet. Das ist die Ausgangssituation. Die Isländerin, die namenlos bleibt (oder ihr Name ist mir entgangen), ist ungerührt. Sie wird ihn vermissen, das ist klar, aber sie leidet nicht, wie das üblich wäre. Sie zieht in ihr Büro und plant eine längere Reise. Eine Wahrsagerin sagt ihr voraus, dass sie sowohl ein Ferienhaus als auch im Lotto gewinnen wird (und am Schluss der Reise, nachdem noch ein paar Tiere sterben müssen, den Mann ihres Lebens findet). Sie muss den vierjährigen hörbehinderten Sohn ihrer Freundin mitnehmen (der Grund ist eine weitere kleine Geschichte, es gibt viele Geschichten in diesem Buch). Die Isländerin lässt sich darauf ein, obwohl sie sich gruselt, weil sie als Mutterersatz nicht geeignet ist. Die Gewinne treffen ein. Spätestens hier weiß man, dass dieses Buch märchenhafte Züge aufweist. Es ist lustig, traurig, herzrührend. Am Schluss gibt es Kochrezepte mit Seitenangabe, worauf sie sich bei dem Text beziehen.
Insel 2013, gebunden, gelesen 04/14

Buchholz, Simone: Eisnattern

4. Fall von Staatsanwältin Chastity. Es ist ein paar Tage vor Weihnachten, womit Chas sowieso nicht umgehen kann und dann hat sie auch noch Urlaub (so etwas wie Zwangsurlaub, weil die Frau aus dem Personalbüro darauf besteht und Chastitys Seelenlage unbegreiflich findet), und als Krönung kommt ihre verlorene Mutter unangekündigt zu Besuch. Chas findet erst einen verprügelten Obdachlosen, dann noch einen. Für die Polizei ist das nicht die wichtigste Ermittlung. Chas geht mit Faller spazieren, auch um ihrer Mutter aus dem Weg zu gehen. Er ist so etwas wie ein Kontaktbulle für die Kneipen und Restaurants des Viertels geworden. Dann verschwindet ein Teenagerpärchen (der Junge aus gehobenem Elternhaus, das Mädchen aus dem Sozialhilfemilieu). Noch mehr verprügelte Obdachlose werden gefunden, einer stirbt. Das Ende ist versöhnlich, auch in Chastitys Privatleben ist die Ruhe wieder eingekehrt.
Droemer TB 2012, gelesen 03/14.

Weidermann, Volker: Ostende 1936, Sommer der Freundschaft

Geschichte eines Sommers in Ostende. Die Freundschaft zwischen Stefan Zweig und Joseph Roth steht im Mittelpunkt. Ein kleines, feines Buch. Viele sind da in diesem Sommer: Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller. Irmgard Keun (lange lange Jahre vergessen) kommt hinzu, sie und Roth verlieben sich. Sie schreiben zusammen, sie trinken zusammen. Alle reden viel, leiden an Deutschland. Zweig unterstützt Roth und will ihn vom Alkohol abbringen, zum Essen und an die Luft bringen. Gelingt ihm nur selten. Aber alle sind noch einmal glücklich in diesem Sommer, in dem Österreich noch Österreich ist und der spanische Bürgerkrieg beginnt. Man hat beim Lesen das Gefühl dabei zu sein. Nur für mich als Bücherfresserin ist das Buch etwas zu schnell vorbei.
Kiepenheuer & Witsch gebunden 2014, gelesen 05/14

Wagner, Jan Costin: Tage des letzten Schnees.

Roman. (Band 5 mit Kommissar Joentaa) Ich glaube, man muss gelegentlich depressiv sein, um dieses Buch zu mögen. Es geht um Tod und Unglück und kleine Phasen von Glück, die aber nicht lange währen. Es gibt einen jungen Mann, der ein Massaker vorbereitet (den Teil mochte ich nicht, glaubte ich nicht, war er nötig? Ja, um das Ende vorzubereiten). Ein Banker verliebt sich. Joentaas Freundin Larissa verschwindet wieder und verrät ihm immer noch nicht ihren wahren Namen. Natürlich gibt es auch Morde und eine Unfallflucht, bei der ein Kind stirbt. Kommissar Kimmo Joentaa kümmert sich um den Vater des toten Kindes. Er hat Erfahrung mit Trauer. Eine Aufklärung im üblichen Krimisinne findet nur bedingt statt. Und das Ende ist eine Überraschung. Wie wird es weitergehen mit Kommissar Joentaa?
Galiani Berlin 2014, gebunden, gelesen 04/14

von Tempelhof nach Schöneberg

Das Südkreuz, das optisch an eine spanische Bauruine erinnert, lässt man links liegen und geht bis zur Fußgängerbrücke.
Südkreuz
Hier habe ich von weitem gedacht, die Promenade wurde zu Ehren der Hertha-Fans benannt, weil ich noch nie etwas von Hertha Block gehört hatte. Sie war eine Bibliothekarin, die im 3. Reich lange im Gefängnis saß.
Hertha_Block
Alt.
Altes Pissoir
Neu.
modernes Pissoir(2)
Rückseite des Friedhofs. Leider war der Eingang verschlossen.
in Schöneberg

März, Ursula: Simone de Beauvoir. Leben in Bildern.

Hat mir gut gefallen. Schönes kleines Buch, wobei es körperlich nicht klein ist (nichts für die Handtasche), es hat aber nicht sehr viele Seiten, dafür viele Fotos, auch einige, die ich nicht kannte. Ich konnte mir plötzlich vorstellen, dass Frau de Beauvoir ein erotisches Wesen war, was ich vorher nicht konnte. Frau März schreibt schön und mag Frau de Beauvoir offensichtlich. Ich tat das ja auch mal sehr, als ich jung war, zwischendurch ist mein Verhältnis abgekühlt, u.a. weil ich die Macht, die sie und Sartre über ihre „petite famille“ hatten und ausübten widerlich fand. Und ich mochte es nicht, wie sie all ihre Freunde/innen als Roman- und Autobiografiemotiv ausbeutete. Heute sehe ich sie wieder freundlicher, sie war eine wichtige Frau und hat sich bemüht, sich selbst zu entwerfen gegen das Frauenbild ihrer Zeit. Frau März schreibt, Frau de Beauvoirs Lebensthemen waren Eifersucht und Alter. Sehr interessanter Gedanke. Ich sollte sie mal wieder lesen. (Wobei ich ihre Romane nicht so liebte, zu viel Thesen, zu wenig Leben. Das kann sich natürlich auch geändert haben.)
Deutscher Kunstverlag 2013, gebunden, gelesen 04/14

Edwardson, Ake: Das dunkle Haus

Jetzt hat er nach dem letzten Winter doch wieder einen geschrieben. Ich hatte Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen und weiß nicht, ob es an mir oder dem Buch gelegen hat. Ich bin nicht sicher, ob ich weitergelesen hätte, wenn ich Edwardson nicht so lieben würde. Es hat sich gelohnt. Wenn es nicht jede Menge Tote geben würde (keine Angst, kein Serienmörder, nicht der Hauch eines Serienmörders), wäre dies ein (philosophischer) Roman über Einsamkeit und Kommunikationsprobleme. Ich musste mich phasenweise ein bisschen anstrengen, um den Überblick zu behalten (nicht wegen der Morde, die waren eindeutig), es lag an den häufigen Perspektivenwechseln und auch daran, dass ich mich oft fragte, was treiben die da und warum, bzw. was denken die da. Die Geschichte geht ungefähr so: Winter hat nach zwei Jahren Pause in Spanien das Gefühl, er wird zu Hause gebraucht und kaum ist er da, werden drei Tote gefunden, eine Frau und zwei kleine Kinder (das Baby überlebt). Für Winter und seine Kollegen sind diese Morde schlimmer als sonst (wegen der Kinder). Es gibt viele Verdächtige, es gibt zwei Zeitungsboten, die etwas gesehen haben oder auch nicht. Es gibt einen rechten Verrückten (der sich wandelt, was ich nicht so ganz überzeugend fand). Winters Mutter wird schwer krank in Spanien, so dass er mehrmals hin- und herfliegen muss. Am Ende gibt es so etwas Ähnliches wie Gerechtigkeit. Gutes Buch, gute Dialoge.
Ullstein 2014, Ü.: Angelika Kutsch, gebunden, gelesen 04/14

Heye, Uwe-Karsten: Die Benjamins. Eine deutsche Familie.

Ein Buch über Walter Benjamin, seinen Bruder Georg, seine Schwester Dora, Georgs Frau Hilde (später Justizministerin in der DDR) und deren Sohn Michael (ein klein wenig auch noch über die Enkel). Ich kannte nur Walter Benjamin. Von Georg und Dora wusste ich nichts. Georg war Arzt und arbeitete in Neukölln, bis ihm als Jude (und Kommunist) die Zulassung entzogen wurde, Hilde arbeitete dort als Anwältin (auch ihr wurde die Zulassung entzogen).Georg starb im Konzentrationslager Mauthausen, Dora starb kurz nach dem Krieg in der Schweiz. Sie war eine Sozialwissenschaftlerin, die sich unter anderem mit der katastrophalen Lage von berufstätigen Frauen der Arbeiterklasse und deren Kindern in der Weimarer Republik beschäftigte. Sie ging mit Walter ins Pariser Exil und überlebte mit großer Mühe in der Schweiz. Von Hilde Benjamin hatte ich gehört, aber ich sah keinen Zusammenhang zur Benjamin-Familie. In der DDR gab es Erinnerung an Georg (nach der Wende nicht mehr). Heye beschäftigt sich ausführlich mit Hildes Bild in der Bundesrepublik. „Die rote Hilde“, „Blut-Hilde“, sie wird mit Freisler verglichen, die bundesrepublikanischen Medien diffamieren sie (auch mir ist sie noch so in Erinnerung), dabei war sie eine der energischen Personen in der DDR, die die Entnazifizierung vorangetrieben hat. Heye vergleicht die Anstrengungen der DDR mit den unterlassenen der BRD. Mir war schon klar, dass es in der Politik und im Gerichtsbereich alte Nazis gab, aber dass es auch im SPIEGEL und in der ZEIT welche gab, wusste ich nicht. Heye versucht, das einseitige Bild Hilde Benjamins zurechtzurücken. Ich kann sie im Grunde nicht beurteilen, weil ich von DDR-Geschichte der 50iger und 60iger Jahre zu wenig Ahnung habe. Aber natürlich muss man berücksichtigen, dass eine Frau, die so viel Leid durch die Nazis erlitten hat, unnachgiebig gegen Nazis ist. Dieses Buch bringt unheimlich viele Fakten, aber es zitiert nicht ordentlich. Man sollte es trotzdem lesen.
Aufbau  2014, gebunden, gelesen 04/14

Blumenkohlcurry mit Kartoffeln

1 Blumenkohlkopf
700 gr. Kartoffeln
Salz
1 Zitrone
1 -2 Zwiebeln
Olivenöl
400 gr. Kokosmilch
Currypaste
Sojasoße
Fischsoße
Pfeffer
Mango-Chutney, wer mag

für drei Personen

Den Blumenkohl in Röschen zerlegen. Dann die Zwiebel (falls sie klein ist, zwei) klein schneiden. Kartoffeln schälen. Die Zwiebel in Olivenöl anbraten. Dann 1 bis zwei Teelöffel Currypaste (wenn man keine scharfe hat, mindestens zwei) zu den Zwiebeln, verrühren, die Kokosmilch angießen, zwei Esslöffel Sojasoße und 1 Esslöffel Fischsoße dazugeben, dann muss der Blumenkohl rein, er muss von der Flüssigkeit bedeckt sein. Falls nicht, Wasser zugeben. Nach fünf Minuten die Kartoffeln anstellen, alles 17 Minuten kochen. Kurz vor Ende der Kochzeit das Curry mit Zitronensaft und eventuell noch einmal mit Sojasoße abschmecken. Vielleicht fehlt auch Salz, ist aber eher unwahrscheinlich, weil sowohl die Soja- als auch die Fischsoße salzig sind. Dazu kann man Mango-Chutney reichen (tue ich immer, wenn ich es nicht vergesse). Wer Fleisch braucht, kann Hühnerbrust von beiden Seiten anbraten und dann noch kurz im Curry ziehen lassen.