Olafsdottir, Audur Ava: Weiß ich, wann es Liebe ist?

(Ü: Angelika Gundlach) Ein weiteres Märchen für Erwachsene, diesmal ist die Hauptperson ein 22-jährigter Mann, Arnljótur, der nicht so richtig weiß, was er will und vom Tod seiner Mutter traumatisiert ist. Fürs Erste wird er ins Ausland gehen, irgendwohin in den Süden (es würde mich interessieren, ob er in Frankreich oder Spanien ist, es wird nie gesagt, womöglich ist es auch Portugal, wo ich noch nie war), um in einem alten Klostergarten eine seltene Rose anzupflanzen und den vernachlässigten Garten wieder zu dem zu machen, was er mal war. Er verlässt seinen traurigen Vater und seinen Zwillingsbruder, der im Heim lebt, weil er nicht so ist wie die Anderen, autistisch vielleicht, auf jeden Fall spricht er nicht. Die Mutter ist vor einem Jahr tödlich verunglückt, sie muss eine beeindruckende Frau gewesen sein, die Pflanzen liebte und die Menschen vermutlich auch. Er verlässt auch seine Tochter, und Anna, die Mutter seiner Tochter, mit der er keine Beziehung hat, die Tochter ist durch ein einmaliges Zusammensein entstanden, zufällig. Die Reise beginnt mit einer Blinddarmoperation im fremden Land. Arnljótur beschäftigt sich, nicht nur deswegen, viel mit dem Tod, aber auch mit dem Körper, seinem und den anderer Leute, hauptsächlich Frauen. Im Kloster trifft er auf Pater Thomas, der mit ihm über das Leben (und den Tod) diskutiert, meist anhand von Filmen, die er sich jeden Abend ansieht (der Pater hat einen guten Geschmack und moralisch scheint er auch nicht zu sein). Dann kommen Anna und die Tochter zu Besuch. Die Tochter ist manchmal ein bisschen zu heilig, aber naja, ist nicht so schlimm (realistisch ist dieses Kind nicht, aber wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für die Hauptperson zu lernen Vater zu sein). Mir gefiel das Buch. Ich glaube, man braucht einen kleinen sentimentalen Hang, um es zu mögen. Es gibt kein übliches Happy End.
Suhrkamp Nova, broschiert, 2011.


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