Rankin, Ian: Schlafende Hunde

(Aus dem Englischen von Conny Lösch.) Kriminalroman. (Ich glaube, es ist Band 19 mit John Rebus.) Ich liebe Rebus. Das ist einfach so und wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Ich bin sehr froh: Rebus ist zurück im aktiven Polizeidienst, allerdings wurde er degradiert und muss nun unter Siobhan Clarke arbeiten. Die beiden versuchen einen Unfall aufzuklären. Dann kommt Malcom Fox ins Spiel. Er soll herausfinden, ob vor 30 Jahren die Ermittlungen zu einem Mordfall manipuliert wurden. Er holt sich Rebus zu Hilfe, weil der damals (ich glaube an seinem ersten Fall) ermittelt hatte. Die anderen Kollegen waren eine verschworene Gemeinschaft und Rebus will die Wahrheit wissen, gleichzeitig aber die Kollegen nicht reinreiten, zumindest wenn sie unschuldig waren, was er natürlich nicht weiß. Er trinkt mehr Bier und weniger Whisky, Fox trinkt immer noch nichts und ist genauso überkorrekt wie in den anderen Bänden. Allerdings ist er diesmal wirklich auf Rebus angewiesen, weil er demnächst in den richtigen Polizeidienst zurückkehren will (oder soll). Eine sehr verwickelte Geschichte, wie mal wieder alles mit allem oder jeder mit jedem zusammenhängt. Es passiert natürlich viel mehr, als ich jetzt erzähle. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
Manhattan, Goldmann 2014, gebunden, 462 Seiten, € 19,99

Herrmann, Elisabeth: Versunkene Gräber

Ein wunderbarer Krimi, dessen Hintergründe bis in die Zeit des 2. Weltkriegs reichen. Er spielt in Berlin und in Polen. Der Anwalt Joachim Fernau – in seinem 4. Fall – erfährt, dass sein Freund Jacek in Polen wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt. Fernaus Expartnerin, Anwältin Marie-Luise, ist verschwunden und wahrscheinlich auf der Flucht, weil sie angeblich den Mord beobachtet hat. Fernau eilt nach Polen und findet Marie-Luise. Der erste Mord geschah auf einem ehemals deutschen Friedhof, seit dem Krieg spukt es dort, sagen die Leute im Ort. Es gibt eine verwickelte Familiengeschichte, Flucht und Vertreibung spielen eine Rolle. Frau Herrmann hat sich in Polen und den polnischen Wein verliebt, das merkt man beim Lesen. Neben all dem Traurigen gibt es lustige Szenen und eine Liebesgeschichte. Spannend ist es auch und ich habe wieder ein neues Reiseziel.
Goldmann TB, 2013, 447 S., € 9,99

Maier, Anja: Die Pubertistin

Die willste nicht geschenkt haben! Hinten auf dem Buch steht: Der Lesespaß für Töchter und Mütter. Das bezweifle ich. Trotzdem ist es ein unterhaltsames Buch und nicht ganz so hysterisch, wie der Klappentext wirkt. Frau Maier hat manchmal durchaus Selbstzweifel und nicht nur Zweifel an der pubertierenden Tochter (die zweite Tochter ist schon älter, wohnt aber auch noch zuhause). Wobei ich mich frage, ob die Töchter sich nicht über das Buch geärgert haben. Frau Maier führt durch ein Jahr mit einer Pubertierenden, die sich u.a. darüber aufregt, dass die Eltern sie in die Provinz entführt haben, statt in Berlin wohnen zu bleiben, wo sich das Leben abspielt. Schnell zu lesendes ironisches Buch.
Baumhaus Verlag, TB, 2009.

Petrowskaja, Katja: Vielleicht Esther

Geschichten. Sehr gutes Buch. Es sind autobiografische Geschichten, die um Identität (jüdische, russische, polnische) und um Familienmitglieder kreisen. Oder anders formuliert: Die Suche nach den Geschichten. Sie hat eine wundervolle poetische Sprache. Berlin, Warschau, Moskau, Kiew, Mauthausen, Ausschwitz. Sie füllt die Leerstellen mit Vielleicht, was nicht nur den Namen der Großmutter betrifft. Ich glaube, es ist ein Buch, was ich mehrmals lesen könnte und sollte und werde. (Was ich außerdem besitzen sollte und werde.)
Suhrkamp gebunden, 2014.

Olafsdottir, Audur Ava: Weiß ich, wann es Liebe ist?

(Ü: Angelika Gundlach) Ein weiteres Märchen für Erwachsene, diesmal ist die Hauptperson ein 22-jährigter Mann, Arnljótur, der nicht so richtig weiß, was er will und vom Tod seiner Mutter traumatisiert ist. Fürs Erste wird er ins Ausland gehen, irgendwohin in den Süden (es würde mich interessieren, ob er in Frankreich oder Spanien ist, es wird nie gesagt, womöglich ist es auch Portugal, wo ich noch nie war), um in einem alten Klostergarten eine seltene Rose anzupflanzen und den vernachlässigten Garten wieder zu dem zu machen, was er mal war. Er verlässt seinen traurigen Vater und seinen Zwillingsbruder, der im Heim lebt, weil er nicht so ist wie die Anderen, autistisch vielleicht, auf jeden Fall spricht er nicht. Die Mutter ist vor einem Jahr tödlich verunglückt, sie muss eine beeindruckende Frau gewesen sein, die Pflanzen liebte und die Menschen vermutlich auch. Er verlässt auch seine Tochter, und Anna, die Mutter seiner Tochter, mit der er keine Beziehung hat, die Tochter ist durch ein einmaliges Zusammensein entstanden, zufällig. Die Reise beginnt mit einer Blinddarmoperation im fremden Land. Arnljótur beschäftigt sich, nicht nur deswegen, viel mit dem Tod, aber auch mit dem Körper, seinem und den anderer Leute, hauptsächlich Frauen. Im Kloster trifft er auf Pater Thomas, der mit ihm über das Leben (und den Tod) diskutiert, meist anhand von Filmen, die er sich jeden Abend ansieht (der Pater hat einen guten Geschmack und moralisch scheint er auch nicht zu sein). Dann kommen Anna und die Tochter zu Besuch. Die Tochter ist manchmal ein bisschen zu heilig, aber naja, ist nicht so schlimm (realistisch ist dieses Kind nicht, aber wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für die Hauptperson zu lernen Vater zu sein). Mir gefiel das Buch. Ich glaube, man braucht einen kleinen sentimentalen Hang, um es zu mögen. Es gibt kein übliches Happy End.
Suhrkamp Nova, broschiert, 2011.

Dahl, Arne: Neid

Thriller. (Ü aus dem Schwedischen: Kerstin Schöps). Band 3 der Opcop-Gruppe. Mir ist die alte Serie (mit dem A-Team, die jetzige Serie ist ja daraus entstanden) immer noch lieber. Es war trotzdem ein gutes Buch, sehr spannend. Es gibt wieder sehr viele Figuren und Perspektiven (das muss man mögen und man sollte das Buch nicht mit zu vielen Pausen lesen, sonst könnte man den Überblick verlieren). Das Team jagt die Bettlermafia, Teil des internationalen Menschenhandels, mit Verbindungen zu anderen Formen organisierter Kriminalität. Die Observierten verstehen es durch ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem, das sich nicht modernster Technik bedient, lange Zeit, sich den hochtechnisierten Angriffen der Ermittler zu entziehen. Gleichzeitig wird in Stockholm ein Wissenschaftler ermordet, ein blinder Bettler flieht mit dessen Smartphone. Und eine französische EU-Politikerin aus Brüssel wird fies erpresst. Und alles hängt mit allem zusammen. Wenn die Welt so ist, wie Dahl sie schildert, finde ich sie noch schlimmer, als ich sie sowieso schon finde.
Piper, brosch. 2014, gelesen 04/14

Maier, Anja: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter: Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern.

Hat mir überwiegend gut gefallen. Manchmal gibt es ein bisschen viel Latte-macchiato-Mütter (ich meine damit, manches wiederholt sich). Es sind autobiografische Geschichten und dazwischen gibt es einige Interviews, in denen sie die Befragten einfach reden lässt (und zwar heftig teilweise). Frau Maier hat Humor und fragt sich gelegentlich, ob sie nicht einfach neidisch ist (und manchmal ist sie es). Sie ist für dieses Buch drei Monate in den Prenzlauer Berg zurückgezogen (dort hat sie früher gewohnt, zu DDR-Zeiten und auch noch danach). Natürlich ist es manchmal übertrieben, manchmal aber auch nicht. Außerdem schreibt sie witzig. Ich bin häufig genug im Prenzlauer Berg, um zu verstehen, wie sie auf manche Artikel kam.
Bastei Lübbe 2011, TB, gelesen 04/14

Buchholz, Simone: Bullenpeitsche

Kriminalroman. Gut wie immer (siehe meine anderen Buchholz-Kritiken). Zwei ermordete Polizisten am Anfang, mafiöse Strukturen, mal wieder der Albaner und ständig schlechtes Wetter im Sommer. Leider habe ich das Buch schon vor einer Weile gelesen und die Kritik nicht sofort aufgeschrieben, also kann ich nur das sagen, was mir in Erinnerung geblieben ist. Sehr sehr gut hat mir der depressive Hund gefallen, dem es besser ging, wenn er rauchte (ich weiß, dass alle Nichtraucher und Tierfreunde entsetzt sein werden). Ansonsten gab es natürlich wieder Liebe, sogar eine Hochzeit und Chas muss schießen (und sie zielt nicht auf die Beine). Und jetzt heißt es warten, bis der nächste Band kommt. Ich gehe davon aus, sie schreibt ihn schon. Hoffentlich.
Droemer 2013, TB, gelesen 03/14

Geipel, Ines: Seelenriss. Depression und Leistungsdruck

Ein beeindruckendes Buch. Ein phasenweise kaum auszuhaltendes Buch (das liegt an einigen Geschichten, die erzählt werden, gewalttätige Übergriffe, ganz furchtbar). Frau Geipel erzählt Biografien über Jahrzehnte, führt Gespräche, vom Fußballspieler über Dopinggeschädigte (ist auch teilweise ihre eigene Geschichte), Kriegskinder, bis zu Gefängnisinsassen. Im Grunde geht es um Traumata, die zu Depressionen führen können. Das heißt, dieses Buch ist gleichzeitig eine kleine Geschichte der Bundesrepublik und der DDR. Eine kleine Geschichte über Menschen, die in diesen Ländern aufwuchsen und lebten. Spannend zu lesen und ich musste immer mal wieder innehalten, um nachzudenken. Ist ja nicht das Schlechteste.
Klett-Cotta 2010, gebunden, gelesen 04/14

Geipel, Ines: Generation Mauer. Ein Porträt

Klasse Buch. Autobiografische und biografische Geschichten einiger Menschen, die in den 60-iger Jahren in der DDR geboren wurden. Frau Geipel ist im Sommer 1989 geflohen und immer noch froh, dass sie es gewagt hat, obwohl kurz danach die Mauer fiel. Weil die Tat ihr Leben bis heute beeinflusst (unsauber zitiert, aber so ungefähr). Die Porträts sind alle spannend (sie hat viele interessante Gesprächspartner/innen gefunden, wahrscheinlich hat sie dafür eine Begabung). Außerdem ist das Buch gut geschrieben, sehr leichthändig. Gelernt habe ich auch viel, als Westdeutsche mit nicht sehr viel Ahnung über die DDR (außer durch Bücher). Ich möchte es besitzen, u.a. weil es eine interessante Variante ist Biografie mit Zeitgeschichte zu verknüpfen.
Klett-Cotta gebunden 2014, gelesen 04/14